Wenn man „geschlossenes Wohnen" hört, denken die meisten gleich an gefäng-nisähnliche Zellen mit Bewohnern in Zwangsjacken. Dies ist aber nicht der Fall, wie den Schülerinnen und Schülern der 10. Klassen des Gymnasiums Dingolfing am 23./24.07.2019 im EHRKO Wohnzentrum in Neumarkt/St. Veit bewiesen wurde.
Zuerst wurden die Teenager vom stellvertretenden Leiter des EHRKO auf den Rundgang durch den Gebäudekomplex des Wohnzentrums in Form eines kurzen Vortrags vorbereitet. Hierbei ging er besonders auf die Klienten mit deren unter-schiedlichen Vorgeschichten und Krankheitsbildern ein. Die Bewohner des EHR-KOs sind alle über 18 Jahre alt und psychisch krank. Die Auslöser für deren Krank-heiten sind ganz verschieden; sie reichen von einem Kindheitstrauma bis hin zu Drogen- oder Alkoholabhängigkeit.
Das EHRKO Wohnzentrum ist in drei Stufen geteilt. Die erste Stufe bilden die In-tensiv-Beschützten Wohngruppen. In diesem Haus sind vor allen Fenstern und Balkonen Gitter angebracht, um suizidale Menschen zu schützen. Leute, die be-wiesen haben, dass sie vertrauenswürdig sind und Verantwortung übernehmen können, sind im zweiten Gebäude untergebracht. Sie dürfen bereits ein Zimmer ohne Gitter vor den Fenstern beziehen und zum Teil das Gelände ohne Aufsicht verlassen. Im dritten Teil des Wohnzentrums leben die Menschen selbständig in eigenen Wohnungen. Hier sind die Betreuer nicht rund um die Uhr anwesend. Das Ziel dieses Wohn- bzw. Betreuungssystems ist die Vorbereitung auf das Leben „draußen“. Es sind aber nur wenige Personen, trotz jahrelanger Betreuung, für ei-nen Auszug aus dem Wohnheim geeignet. Viele Klienten wollen dies aber auch gar nicht, weil das EHRKO Wohnzentrum mit seinen Bewohnern und Mitarbeitern ihre Heimat ist.
Das EHRKO bietet unterschiedliche Arbeits- und Beschäftigungstherapien an. Bei der ersten Therapieart können die Bewohner ihr Taschengeld aufbessern, indem sie in der Gärtnerei, Wäscherei oder Schreinerei mithelfen. Zur Beschäftigungsthe-rapie zählen beispielsweise Werk-, Kunst- oder Musikgruppen. Zudem gibt es zahl-reiche Freizeitangebote wie Kickern, Volleyball oder eine Feuerstelle. Die Highlights sind die Wochenenden, an denen oftmals Ausflüge mit dem Rad oder ins Kino un-ternommen werden. Außerdem finden im Laufe des Jahres mehrere Feste (z. B. Sommer- und Adventsfest) statt.
Zum Schluss wurden noch alle ausstehenden Fragen der Besucher beantwortet. Nach einem sehr informativen Vormittag kehrten die Klassen mit vielen neuen Ein-drücken und Erkenntnissen nach Dingolfing zurück.

Julia Springer, 10a

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