Die meisten würden wohl erwarten, dass man in Texas ständig mit T-Shirt und kurzer Hose herumläuft, wo es häufiger 40 als 0 Grad hat. Weit gefehlt: In meinem Auslandsjahr in Wichita Falls, einer Kleinstadt mit rund 100.000 Einwohnern im Norden von Texas, hatte ich fast immer Winterkleidung an. Warum? Wegen der Klimaanlagen. Der Coldbrew Coffee sollte schließlich nicht warm werden.
Nachdem ich zwei Jahre lang an den ILV-Modulen teilgenommen hatte, verbrachte ich ein Schuljahr an der Memorial High School in Wichita Falls, einer Schule mit rund 1.600 Schülern der Jahrgangsstufen 9 bis 12. Wie an vielen amerikanischen Highschools gab es dort eine enorme Fächerauswahl mit weit über 100 Kursen – von klassischen Fächern wie Universitätsmathematik bis hin zu Psychologie oder sogar Töpfern. Besonders konzentrierte ich mich auf die Universitätsfächer und konnte dadurch amerikanische Universitätscredits erwerben, die in den USA das Studium verkürzen und teilweise auch bei Bewerbungen in Deutschland berücksichtigt werden können.
Auch kulturell war mein Auslandsjahr sehr vielseitig. In Wichita Falls lebten Menschen aus unterschiedlichsten Herkunftsländern, besonders viele Familien mit mexikanischen oder vietnamesischen Wurzeln. Während meines Aufenthalts wohnte ich außerdem bei einer herzlichen indischen Gastfamilie, wodurch ich nicht nur viel über die amerikanische, sondern besonders auch über die indische Kultur lernte. Wir kochten täglich frisches südindisches Essen wie Chapati, ein Fladenbrot, oder Upma, einen Grießbrei mit Gemüse und Nüssen.
Ein großer Teil der amerikanischen Highschool-Kultur waren außerdem die Football Games am Freitagabend. Die gesamte Schule kam dort zusammen, um das Team anzufeuern – ein Gemeinschaftsgefühl, das ich aus Deutschland so nicht kannte. Auch die berühmten gelben Schulbusse, die man sonst nur aus Filmen kennt, gehörten plötzlich zu meinem Alltag.
Während meines Aufenthalts verbrachte ich zudem mehrere Tage in New York City. Besonders beeindruckt haben mich die Größe der Stadt, die Hochhäuser und die enorme Vielfalt an Menschen und Kulturen. Der Kontrast zwischen dem eher ruhigen Wichita Falls und der Millionenmetropole New York zeigte mir noch einmal, wie unterschiedlich die USA sein können.
Abschließend lässt sich sagen, dass ich jedem ein Auslandsjahr empfehlen würde, da es nicht nur sprachlich bereichernd ist, sondern einem auch hilft, mit neuen Menschen, Denkweisen und Alltagssituationen umzugehen.
Paul Hamann, 11A


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