Zum ersten Mal machte sich die dieses Mal gut 60-köpfige Theaterabo-Gruppe mit dem Bus auf den Weg in die Landeshauptstadt. Unser Busfahrer Wolfgang erwies sich als wahrer Glücksgriff und sorgte mit seiner entspannten Art für eine angenehme und kurzweilige Fahrt. Den Luxus bis unmittelbar vor die Theatertore gefahren zu werden, nahmen wir dankend an.
Im Theater angekommen, wartete ein Stück, das aktueller kaum sein könnte. „Über Menschen“ spielt im Frühjahr 2020: Die Hauptfigur Dora flieht aus Berlin vor dem Lockdown, vor ihrem übervorsichtigen Freund, der in der Pandemie fast schon seine Lebensaufgabe gefunden hat, und vor dem Großstadtstress, der zunehmend an ihr nagt. Ihr Ziel: das brandenburgische Dorf Bracken. Dort scheint die Welt zunächst einfacher zu sein – vielleicht auch ein bisschen grauer. Händeschütteln ist plötzlich wieder normal, an Türen kleben AfD-Sticker und der Nachbar Gote stellt sich ganz unverblümt als „Dorfnazi“ vor. Klingt erstmal nach Kulturschock. Doch je länger Dora bleibt, desto mehr merkt sie: Hinter den Klischees stecken Menschen mit Geschichten, Widersprüchen und überraschenden Perspektiven.
Der Roman von Juli Zeh gehört zu den ersten großen literarischen Auseinandersetzungen mit der Gesellschaft in Zeiten des Lockdowns. Regisseur Christian Stückl brachte diese vielschichtige Geschichte nun erstmals auf die Bühne.
Am Ende des Abends traten wir die Heimreise an. Mit im Gepäck: viele Eindrücke, einige Denkanstöße und vielleicht auch die Erkenntnis, dass Menschen manchmal viel komplizierter sind, als man zunächst denkt.
Reif
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