Prof. Niklas Holzberg begeistert Dingolfinger Gymnasiasten
Am Mittwochabend vor den Allerheiligenferien machte sich ein Teil des Oberstufenkurses Latein zusammen mit Kursleiter Thomas Stuckenberger auf den Weg nach München, um am dortigen Wilhelmsgymnasium an einer Veranstaltung der Petronian Society teilzunehmen. Benannt nach dem Dichter Petronius aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert, der in seinem Roman „Satyricon“ eine feuchtfröhliche Party inszeniert, hat der inzwischen emeritierte 79-jährige Altphilologe Niklas Holzberg diese Gesellschaft im Jahr 1991 gegründet, um Dozenten, Studenten und Laien gleichermaßen ein Forum zu bieten, auf dem sie sich in regelmäßigen Abständen in lockerer Runde zum ernsthaften Austausch über antike Literatur treffen können. Im Zentrum der Veranstaltung steht dabei der Vortrag eines Referenten zu einer ausgewählten antiken Textstelle, über die im Anschluss bei Getränken und Häppchen geplaudert wird.
Der Vortrag, den die Dingolfinger Gymnasiasten zu hören bekamen, sollte die Lateinerherzen in mehrfacher Hinsicht höherschlagen lassen. Schon der Veranstaltungsort versprühte antikes Flair: Das rein humanistische Wilhelmsgymnasium im Herzen der Stadt ist nicht nur das älteste Gymnasium Münchens, sondern erstrahlt seit der Renovierung in neuem Glanz und erinnert dabei mehr an eine pompejanische Villa. Der Gründer der Petronian Society, Niklas Holzberg, trat an jenem Abend persönlich ans Rednerpult und referierte über eine Textstelle aus Vergils Aeneis: „Provokation zum Meisterschuss: Eine Textanalyse von Vergil, Aeneis IX 590-620“. Es war für die Oberstufenschüler eine spannende Frage, inwieweit sie wohl den Ausführungen eines Lateinprofessors gewachsen sein würden. Die Tatsache, dass die Aeneis von Vergil als römisches Nationalepos aktuell im Lateinunterricht der Oberstufe in 13/1 behandelt wird, erwies sich als großer Glücksfall. Zum einen brachten die Gymnasiasten das nötige Know-how für das Grundverständnis des Vortrags mit, zum anderen bot der Vortrag selbst die Möglichkeit, vorhandenes Wissen zu vertiefen und mitzuerleben, wie ein international renommierter Lateinprofessor Vergil-Verse rezitiert und interpretiert.
Am Ende sollte alles so kommen wie erhofft. Oder besser gesagt: es kam so wie immer, wenn Holzberg auftritt. Getragen von einer ansteckenden Begeisterung und Liebe für sein Fach referierte der Meister, der seit 1983 (!) Klassische Philologie an der LMU lehrt und Generationen von Lateinlehrern ausgebildet hat, nur mit Hilfe seiner Aufzeichnungen, getreu dem Motto: Wer selbst so viel weiß und zu sagen hat, dem genügen Wort und Stimme. Und als ihn eine Dingolfinger Schülerin in gemütlicher Runde voller Bewunderung auf seinen freien und höchst unterhaltsamen Vortrag ansprach, meinte der nur lapidar und mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht: „Wenn schon die Sprache tot ist, muss wenigstens der Vortrag lebendig sein.“ Ja, das war er. Und wie!
Thomas Stuckenberger
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