Reden ist erlernbar – das ist das Credo des Rhetorik-Trainers Thomas Burger, der in der Oberstufe des Gymnasiums Tipps und Tricks zur Sprachwirkung vermittelte.

Zunächst vor den Schülern und Schülerinnen der Q11, dann vor denen der Q12, zeigte Thomas Burger mit vielen Beispielen, wann Sprache funktioniert – und wann nicht.
Denn gesprochene Sprache funktioniert anders als geschriebene: Die Sätze eines Redners müssen kürzer sein, wichtige Aspekte müssen mit rhetorischen Doppelpunkten hervorgehoben werden (Achten Sie mal auf das hier: Ich möchte Sie auf Folgendes hinweisen: 3 Punkte sind besonders wichtig:) und die Sprache muss bildlich sein. Um die Aufmerksamkeit des Publikums zu erhalten, ist es zudem hilfreich, wörtliche Zitate einzustreuen und Floskeln wie „ääh“, „und“, „ja“ oder „genau“ zu meiden.
Damit Sprache wirken kann, muss der Redner oder die Rednerin zudem den unbewussten Teil des Zuhörers ansprechen – also den Teil, der wichtige Entscheidungen trifft, das „Bauchgefühl“. Erreichbar ist dieser Teil über Gefühle und über Bilder. Ein Vortrag, der vorwiegend aus Daten und Fakten besteht, braucht von daher zumindest einen Einstieg, der den Zuhörer mitnimmt auf eine emotionale Reise („Stellen Sie sich folgende Situation vor…!“) oder viele Beispiele, die die Daten mit Bildern greifbar machen. Weil aber gute Rhetorik immer auch das Unbewusste im Menschen anspricht, ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass sie damit auch manipulativ sein kann. Rhetorik ist wie ein Werkzeug, das in den falschen Händen großen Schaden anrichten, aber sinnvoll genutzt auch viel Gutes bewirken kann.
Wirkung von Sprache ist immer auch gekoppelt an die Wirkung von Körpersprache. Thomas Burger erläuterte drei notwendige Punkte, die ein guter Redner beachten müsse:
Zunächst die Position im Raum und die Körperhaltung. Eine mittige und aufrechte Position lenkt die Aufmerksamkeit des Publikums auf den Redner. Als zweites ist der Blickkontakt wichtig. Das Publikum muss sich wahrgenommen fühlen, selbst wenn aufgrund der Zahl der Anwesenden ein echter Blickkontakt nicht möglich ist. Und als Letztes eine gut verständliche Sprechweise, nicht zu leise und nicht eintönig.
Zum Schluss ging Thomas Burger noch auf die Bedeutung eines guten Einstiegs und von Medien ein: „You never have a second chance for a first impression“ – deshalb biete sich als Einstieg eine kurze Geschichte (Emotion! Bilder!) oder eine „Hände-hoch“-Frage an, bei der das Publikum mit eingebunden wird.
Wenn Medien bei einer Rede verwendet werden sollen, so müsse die Aufmerksamkeit der Zuhörer stets fokussiert sein: auf das Medium oder auf den Redner – beides zugleich ginge nicht. Der Redner kann also Bilder oder Diagramme einer Präsentation erläutern, sollte aber nicht lange Texte von Folien vorlesen oder zum nächsten Thema sprechen, während noch ein Bild zum vorherigen Thema sichtbar ist.
„Seien Sie nicht enttäuscht, wenn nicht alles gleich morgen klappt! Wichtig ist es, sich auf den Weg zu machen! Bereiten Sie Reden bewusst vor, achten Sie auf Ihre Körpersprache und bitten Sie andere um Feedback!“ – mit diesen Worten entließ Thomas Burger die Schüler, die sicher den einen oder anderen Tipp in den kommenden Referaten und Prüfungen beherzigen werden.

 

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